Biodiversität ist wichtig

Die Menschheit überzieht jedes Jahr ihr „biologisches Budget“, wie wir aus zahlreichen Berichten wissen. Wir überfischen unsere Meere, wir betreiben intensive Landwirtschaft, wir verbauen Landreserven, wir beheizen unsere Gebäude mit fossilen Brennstoffen, wir produzieren unsere Nahrungsmitteln in unnachhaltiger Weise und konsumieren alle zu viel davon. In dieses Kapitel gehören der Fleischkonsum oder das Wegwerfen und Verschwenden von Nahrungsmitteln. Folgen davon sind der Klimawandel, verursacht CO2-Emissionen und andere Gase, oder der Verlust der Biodiversität, die für den Erhalt der Menschheit wie auch der Flora und Fauna essentiell sind.

Im Folgenden möchte ich sehr unvollständig und schemenhaft beschreiben, weshalb Biodiversität wichtig ist. Wobei ich keiner Weise Menschheit und Flora und Fauna auseinander dividieren möchte. Im Gegenteil: Wir sind “One Earth”, was auch der Titel eines wissenschaftlichen Online Magazins ist, aus dem ich in diesem Artikel zitiere.

Definition Biodiversität

“Die Biodiversität umfasst den Artenreichtum von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, die genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten, die Vielfalt der Lebensräume sowie die Wechselwirkungen innerhalb und zwischen diesen Ebenen.” (Aktionsplan: Strategie Biodiversität Schweiz, BAFU, 2017)

Biodiversität ist wichtig – für das Ökosystem von Flora und Fauna

Nehmen wir das Beispiel der Insekten: WissenschaftlerInnen wissen, dass Insekten die artenreichste Gruppe von Tieren und machen schätzungsweise einen großen Teil der lebenden Biomasse der Erde aus. Angesichts ihrer historischen Häufigkeit und Allgegenwärtigkeit sowie der vielen bekannten Beispiele extremer Widerstandsfähigkeit gegenüber natürlicher oder absichtlicher Ausrottung wurden einige Insekten traditionell als die ultimativen Überlebenden der meisten apokalyptischen Szenarien angesehen (Zattara & Aizen, 2021). Sie fanden beispielsweise in einer Meta-Analyse vorhandener Daten heraus, dass nach den 1990er Jahren die Anzahl der gesammelten Bienenarten steil abnimmt, so dass zwischen 2006 und 2015 etwa 25 % weniger Arten gemeldet wurden als vor den 1990er Jahren. Neben den Honigbienen, von denen es in der Schweiz zu viele gibt pro Quadratmeter, sind auch die Wildbienen wichtig für die Bestäubung der Pflanzenwelt. Laut Zattara und Aizen, ist die Bestäubung durch Wildbienen ist grundlegender Bedeutung für die Fortpflanzung von Hunderttausenden von Wildpflanzenarten und der Schlüssel zur Sicherung ausreichender Erträge bei etwa 85 % der Nahrungspflanzen.

Auch viele Vogelarten verlieren durch den Verlust der Menge (Biomasse) an Insekten langsam ihre wichtigste Nahrungsquelle. Wie mir Christof Angst vor kurzem für einen meiner nächsten Podcast-Episoden erzählt hat, fangen beispielsweise die Mauer- und Alpensegler bis zu 20’000 Insekten pro Tag, viele davon auch Blattläuse, die durch Thermik in die Luft hinausgeschleudert werden.

Biodiversität ist wichtig – für die Menschheit

Vereinfacht gesagt, sind die Biodiversität oder die Artenvielfalt zentral für die Nahrungsmittelsicherheit von acht Milliarden Menschen auf unserem Planeten und für die Versorgung mit frischem Wasser! Deshalb gehen die Sustainable Development Goals der UN auch direkt und indirekt auf die Notwendigkeit zum Schutz Artenvielfalt ein. In Ziel 14 sprechen sie den Schutz den Lebens im Wasser und in Ziel 15 gehen sie den Schutz des Lebens auf dem Land ein. Doch weitere Ziele sind in Resonanz mit dem oben genannten Bereichen bzw. konkretisieren diese in Teilzielen wie:

  1. Die Nahrungsmittelsicherheit und die Verbesserung der Nahrungsmittel
  2. Die Versorgung mit frischem Wasser
Ökosystemleistungen nach Aktionsplan Biodiversität, 2017, BAFU

Ökosystemleistungen nach Aktionsplan Biodiversität, 2017, BAFU

Nahrungsmittelsicherheit

Nahrungsmittelsysteme wie bswp. eine florierende Landwirtschaft sind auf die Bestäubung durch Honig- und Wildbienen angewiesen. Die Honigbienen, die in der Schweiz oft wie andere Nutztiere gehalten werden, “bewirtschaften” dabei andere Pflanzensorten als die Wildbienen, die auf einzelne andere Pflanzen spezialisiert sind und auch zu anderen Tagestemperaturen unterwegs sind. Insekten oder andere Tiere bekämpfen Pflanzenschädlinge und stellen die Bodenfruchtbarkeit sicher.

Wasserversorgung

Insekten sorgen auch für qualitativ gutes Wasser. Invasive Pflanzenarten, sog. Neophyten

Politische Zielkonflikte schwächen unsere Ökosysteme

Bei vielen der oben genannte Punkte, kann sich jede/r einzelne für den dringend notwendigen Wandel zum Schutz der Biodiversität einsetzen. In seinem täglichen Essverhalten, aber auch mit dem Bepflanzen von Balkonen oder Gärten mit Pflanzenarten, die Schmetterlinge oder Wildbienen nähren, etc. Indem wir Neophyten in unseren Gärten eliminieren, die andere Pflanzenarten verdrängen.

Darüber hinaus braucht es einen politischen Willen. Wie ein Bericht der Vereinten Nationen und der WSL zusammen mit den Schweizerischen Akademien der Wissenschaften unlängst in eindrücklicher Weise zeigten, dass Fehlanreizen oder strukturellen Zielkonflikten der Natur sprichwörtlich auf den Leib rückt. Laut der UN gehen pro Jahr 500 Milliarden Dollar an politische Initiativen, die die Biodiversität gefährden; umgekehrt gehen nur gerade 80-90 Milliarden öffentliche und private Mittel an Vorhaben, die die Artenvielfalt erhalten und fördern.

In der Schweiz wurde eine ähnlich grosse Diskrepanz festgestellt: Die WSL und die Akademien identifizierten 162 biodiversitätsschädigende Subventionen. Diese gehen an Verkehr, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Energieproduktion und -konsum, Siedlungsentwicklung, Tourismus, Abwasserentsorgung und Hochwasserschutz. Die Autor*innen empfehlen Wege, um diese Widersprüche abzuschaffen oder umzugestalten. Denn dies ist nicht nur schlecht investiertes Geld, hinzukommen später finanzielle Ausgaben, um die Schäden dieser Investitionen wieder zu beheben.

Die Berichte beschreiben auch in aller Deutlichkeit, dass eine international mutige Vorgehensweise zum Schutz der Biodiversität vordringlich ist. Diese sollte verschiedene Ebenen miteinander verschränken wie: die verstärkte Anstrengungen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur, zum Klimawandel und zur Transformation der Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel produzieren und konsumieren.